Gern hart und komisch

Gedichte und Skurrilitäten von Robert Gernhardt rezitiert vom großartigen Schauspieler Cornelius Obonya, dem neuen Salzburger Jedermann.

Bühnenpartner

Cornelius Obonya , Stimme

Besetzung

Peter Gillmayr — 1. Violine
Kathrin Lenzenweger — 2. Violine
Judith Bik — Violoncello
Roland Wiesinger — Kontrabass
Josef „Peppone“ Ortner — Klarinette/Saxophon
Wieland Nordmeyer — Klavier

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Zum Inhalt

Serviert mit feiner und energiegeladener europäischer Salonmusik von Erik Satie, Harald Saeverud, Kurt Weill, Sergej Prokofieff, Alexander Novikov, Alexander N. Skrjabin, Alain Romans, Nino Rota, Marti Innanen, Henry Theel.

Robert Gernhardt

Schon seit Beginn der 1980er Jahre veröffentlichte Gernhardt Gedichte (Wörtersee, 1981) und wurde im Laufe der 1990er Jahre zunehmend auch von der Kritik als bedeutender Lyriker anerkannt. Er gilt heute als einer der wichtigsten zeitgenössischen Dichter deutscher Sprache. Sein Werk hat sich dabei von den Nonsens-Versen und den humoristischen Formen der 1960er- und 1970er-Jahre zu einer vielseitigen Lyrik weiterentwickelt, die Gernhardt auch stets um neue Töne erweiterte.

Cornelius Obonya

Cornelius Obonya wurde am 29. März 1969 in Wien, Österreich geboren. Seine Eltern sind Elisabeth Orth-Obonya und Hanns Obonya (gest. 1978), seine Großeltern mütterlicherseits waren Paula Wessely und Attila Hörbiger, väterlicherseits Marianne und Alois Obonya.

Die Volksschule absolvierte er in Wien, Hietzing und das Gymnasium im Schottenstift, im Kollegium Kalksburg und im BORG III. Nach Erreichen der „Mittleren Reife“ ging er mit 17 Jahren ans Max-Reinhardt-Seminar um Schauspiel zu studieren, verließ es aber nach einem Jahr und lernte bei dem Kabarettisten Gerhard Bronner. Bronner gehörte zu den wichtigen Begegnungen in seinem Beruf ebenso wie Emmy Werner, die ehemalige Direktorin des Volkstheater Wien und Andrea Breth, mit der er viele Jahre an der Schaubühne Berlin und auch am Burgtheater Wien gearbeitet hat. Cornelius Obonya ist verheiratet mit der Regisseurin Carolin Pienkos und Vater des gemeinsamen Sohnes Attila.

Stimmen

Liebesschwu?re und Tiraden
Lesung. Wortspiel-Kunst und Klang-Genuss: Cornelius Obonya und die o?sterreichischen Salonisten bieten im Haller Adolf-Wu?rth-Saal mit Versen Robert Gernhardts einen pointenreichen Abend. Von Bettina Lober
Das Mikrofon auf dem Lesetisch ta?uscht. Es versta?rkt keineswegs die Stimme des o?sterreichischen Schauspielers Cornelia Obonya, der am Freitagabend im voll besetzten Adolf-Wu?rth-Saal Gedichte vortra?gt und dabei in verschiedene Rollen schlu?pft. Das hat der Vollblutschauspieler Obonya, dessen Stimme wohl locker noch bei geschlossener Tu?r den Vorplatz fu?llen wu?rde, auch gar nicht no?tig. Das Mikro dient lediglich der eigenen Dokumentation, ist von Sylvia Weber, Direktorin der Kunsthalle Wu?rth, zu erfahren.
Gemeinsam mit dem sechsko?pfigen Ensemble der o?sterreichischen Salonisten ist der 50- ja?hrige nach Hall gekommen und gestaltet unter dem Titel „Gern hart und komisch“ einen Abend voller kostbarer, humorvoller und auch nachdenklicher Gedichte und Skurrilita?ten aus der Feder Robert Gernhardts (1937-2006). Das Spannende ist ja, dass sich bei dem Frankfurter Meister der Hochkomik spaßiger Nonsens und gefu?hlvolle Lyrik zu einer stimmigen Wortspiel-Kunst verbinden.
Blick in den Kopf des Dichters
Cornelius Obonya schafft es scheinbar mu?helos, deren Facettenreichtum in jeder Zeile, ach was, in jeder Silbe der mehr als 50 Gedichte zum Schimmern zu bringen. Wenn Gernhardt beispielsweise in „Das Scheitern einer Ballade“ u?ber die Mo?glichkeiten der Fahlheit an sich sinniert: Ob sie nun schwingt, schimmert oder gar gla?nzt. Obonya gewa?hrt einen lebendigen Blick quasi in den Kopf des Dichters, der sich gerade abmu?ht, eine Ballade u?ber einen Fu?rsten Friedrich zustande zu bringen, bis ihm jener Fu?rst im Text komplett abhandenkommt. Dazu servieren die o?sterreichischen Salonisten mit zwei Violinen, Cello, Kontrabass, Klavier sowie Klarinette oder Saxofon einen farbenfrohen Reigen europa?ischer Salonmusik: vom schwungvollen Tango „Elsa“ von Mikko Innanen u?ber Charlie Chaplins munter scheppernden Filmsong „Smile“ und Florian Hermanns sehnsuchtsvoll beseelte „Schwarze Augen“ bis zu Tschaikowskys blinkendem „Tanz der Zuckerfee“. Espritvoll gestalten die Musiker die Stu?cke, lassen die Rhythmen munter wackeln und die Melodien vergnu?glich tanzen. Thematisch rauscht der Abend mit den Gernhardtschen Versen fantasievoll quer durchs Leben. Den „Monolog des Torwarts“ kostet Cornelius Obonya als genu?ssliche Fluch-Tirade aus. Die kritische Selbstbetrachtung „Ich selbst“ ist voll charmanter Selbstzweifel. Gernhardt beschwo?rt „Scho?ne Frauen“, um sie ein paar Atemzu?ge spa?ter mit za?rtlichem Spott zu bedenken. Obonya macht aus „Salzburg, Sebastianfriedhof“ einen herrlichen Gruselspaß: „...Scho?nere Scha?del,/steinern und beinern/starrten dich nie an/als hier im Kreuzgang...“ Und die Gedanken, die sich Gernhardt reimend in „Als er sich auf einem stillen O?rtchen befand“ beim Betrachten des auf der Klorolle aufgedruckten Wortes „Danke“ macht, sind zum Bru?llen komisch.
Funkelnde Fabulierlust
Die Pointen sitzen, Obonya kann dro?hnen, kra?hen, schimpfen, donnern, flu?stern, raunen, sa?useln- alles. Und er hat das richtige Timing. Er bringt Gernhardts Fabulierlust zum Funkeln, stu?rzt sich mit Wonne in die Figuren und zeigt genauso Sinn fu?r die leisen, melancholischen Momente. Von 2013 bis 2016 schlu?pfte der Schauspieler allja?hrlich bei den Salzburger Festspielen in die Rolle des Jedermann, die bereits sein Großvater Attila Ho?rbiger verko?rpert hatte. Wer Obonya an jenem Freitag in Hall erlebt, bekommt eine Ahnung davon, was mit dem Begriff Bu?hnenberserker gemeint ist. Dabei stellt sich Obonya ganz in den Dienst der Wortspielereien Gernhardts. Es ist eine Freude, ein Genuss. Das Publikum applaudiert entzu?ckt, wofu?r sich die Ku?nstler mit einer Zugabe gerne bedanken.

— Haller Tagblatt vom 21.01.2020


Wortspielereien und Pointen
Der o?sterreichische Schauspieler Cornelius Obonya schlu?pft in der Kunsthalle Wu?rth in die Figuren in Robert Gernhardts Gedichten von Ralf Snurawa
SCHWA?BISCH HALL. Fu?r die Zuho?rer in der Kunsthalle Wu?rth in Schwa?bisch Hall war es am Freitagabend eine Lust, dem o?sterreichischen Schauspieler Cornelius Obonya beim Rezitieren von Gedichten Robert Gernhardts zuzuho?ren. Mit Rezitieren la?sst sich allerdings kaum beschreiben, wie Obonya sich diese Texte zu eigen gemacht hat.
Immer wieder identifizierte er sich mit dem Dichter, ohne ihn zu spielen. Denn genauso wies er darauf hin, dass es ein Gedicht von Gernhardt sei wie zu Beginn des letzten „Ach....“ oder zu „Ich selbst“. „Das Scheitern einer Ballade“ ganz am Anfang des Abends ließ zeitweilig vermuten, Obonya selbst schreibe gerade an jener Ballade. Dazu geho?rte, wie Obonya die dauernd einfließenden Zweifel Gernhardts an der Wortwahl – kann Fahlheit „schwingen“ oder gar „gla?nzen“? – stimmlich ausspielte. Dazu geho?rte auch in „Scherge und Mo?rder“, wie listig verschlagen Obonya die Worte unterstrich. Auch mehr gespielt als rezitiert klang der Fluch des Fußballspielers auf den Ball in „Monolog des Torwarts“.
A?hnlich bellen ließ Obonya spa?ter nur noch Gott im Dialog mit Augustinus in „Nimm ? und lies“. U?berhaupt widmete sich der ausdrucksstark agierende Darsteller mit besonderer Lust den Dialogen in Gernhardts Gedichten. Bei „Schreiben, die bleiben“ wurde schnell klar, dass dem fordernden „Avanti“ des Abtes von San Marco in seinem Brief an Raffael ein angesa?useltes „PS: Schickt mehr Chianti!“ des Ku?nstlers folgen wu?rde, was Cornelius Obonya mit einem La?cheln quittierte. Ihn schienen die Gernhardt-Gedichte zu schauspielerischer Ho?chstform zu animieren.
Aus der Ho?lle. Wunderbar gespielt wirkte etwa „Als sich die Party auflo?ste“ mit dem Englisch palavernden Betrunkenen, der dem nu?chternen Engla?nder das Wort im Mund herumdreht und ihm empfiehlt, erst einmal Englisch zu lernen.
Mit zunehmender Begeisterung und angesteckt von Obonyas Vortragslust ging das Publikum mit, als es um die Tanne Marianne oder die im Weg stehende Tanne Theodor ging. Das Verhalten der Bruderschaft der „Kicherzienser“, vor deren Tor sie sich befand, rief in „Die allzufro?hlichen Mo?nche“ sogar die „braunen Bru?der“ aus der Ho?lle hervor. War es sowieso schon eine Lust, allein den Wortspielereien und zahllosen Pointen Robert Gernhardts zu lauschen, so hatte Cornelius Obonya sie durch seinen am Ende heftig beklatschten Vortrag potenziert.
Die sechs Musiker der O?sterreichischen Salonisten gruppierten zwischen den Gedichtvortra?gen espritvoll gespielte Stu?cke, die nicht nur finnischen Tango, sondern auch Musik von Filmmusikkomponisten wie Nino Rota oder Charles Chaplin umfasste, mal nostalgisch, mal gesanglich sehnsu?chtig.
In diese Richtung, mit deutlichen Rhythmusbetonungen ging auch der finnische Tango „Elsa“ von Mikko Innanen. Pianistisches Diskantgeklingel zu Tschaikowskis „Tanz der Zuckerfee“ traf außerdem auf eine zupackende Weillsche „Tango Ballade“, erga?nzt durch sehnsuchtsvoll blickende „Schwarze Augen“.