Die Frau Weiler

Die Frau Weiler — ein unmögliches Leben? Geliebte, Betrogene, Schauspielerin, Sängerin, Kodirektorin, Hausfrau, Agentin, Mutter.

Bühnenpartner

Agnes Palmisano , Gesang

Zum Inhalt

Marie Weiler? Eine Frau, die im Schatten stand. Deren Name und Talent vom Glanzlicht des „Österreichischen Shakespeares“ bis heute überstrahlt wird. Die es aber verdient im Scheinwerferkegel einmal genauer betrachtet zu werden. Und dies – was läge näher – mit den Mitteln der Kunst, die ihr Leben geprägt haben: Gesang und Schauspiel.

Gemeinsam ersingen und erspielen Agnes Palmisano und die Österreichischen Salonisten eine subjektive Biographie jener Frau, die den Humor und die Hingabe hatte 30 Jahre lang an der Seite Nestroys zu leben. Das Stück: Heute. Eine Sängerin. Wienerin, Mutter, Lebens-Künstlerin. Sie begibt sich auf eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit. Ins Biedermeier. In die Zeit des Alt-Wiener Volkstheaters. Ins Leben Marie Weilers: Sängerin, Wienerin, Mutter, Lebens-Künstlerin. In ihrem Repertoire Arien, Couplets, Lieder und Dudler. Damals von der Weiler gesungen, heute von uns interpretiert. Auch aus dem Heute – und gleichzeitig, als Zerrbild und Erinnerung, ein Schauspieler. Also Nestroy. Also ein Schauspieler. Ein blinder Spiegel. Eine Projektionsfläche. Eine Annäherung.

Ergebnis: Eine Begegnung zweier Welten, die sich ähneln und doch so verschieden sind.

Nora Dirisamer — Buch und Regie
Gerrit Wunder — Arrangements

Stimmen

Konfusion, der Nestroy ist nicht da. Widmet sich vermutlich gerade seinen „Mädlerien“, seinen Seitensprüngen. Steht die Wiener Sängerin Agnes Palmisano also alleine auf der Bühne. Gelegenheit, um an eine Frau zu erinnern, die vor gut 150 Jahren starb: Marie Weiler. „Wer is'n des?“, tönt es aus dem Orchester. Marie Weiler, 1809-1864, liebte und erlitt 35 Jahre Johann Nepomuk Nestroy, „aber um den geht's heute Abend überhaupt nicht!“

Palmisano erzählt von der Lebensgefährtin des großen Dramatikers, singt Lieder und Couplets, die Nestroy der Schauspielerin und Sängerin Weiler (auch längst vergessen: Musik von Adolf Müller) auf den Leib geschrieben hat.

Erstaufführung von „Die Frau Weiler — ein unmögliches Leben“ war Sonntagabend im prall gefüllten Gmundener Stadttheater. Eine musikalisch-dramatische Annäherung mit den Österreichischen Salonisten, zugleich Auftakt der neuen Reihe „Schneegestöber“ der „Salzkammergut Festwochen Gmunden“.

Regisseurin Nora Dirisamer verwebt geschickt Zeitebenen, wiederholt bimmelt das (Mobil-)Telefon. Palmisano/Weiler muss während des Auftritts checken, wer sich denn um ihre und Nestroys Kinder kümmere. Das kostet Nerven, wenn auch noch Peter Gillmayr — musikalischer Leiter und 1. Violonist der Salonisten — am Handy Anweisungen des Meisters erwartet. Ohne die konsequente, gar nicht biedermeierliche Weiler wäre Nestroy (finanziell) verloren gewesen. Seine „Mädlereien“? Wie Palmisano in „Wir sind vorsichtig“ singt: „Da bleibt wohl nix übrig als nachsichtig sein.“ Den Freibrief schrieb sich Nestroy gleich selbst.

Ein ungemein kurzweiliger und vergnüglicher Abend. Famos die Salonisten, exzellent der Gesang von Palmisano, vom „Dudln“ („kennt kein Mensch außer der UNESCO“) bis hin zu Kostproben aus dem Opernfach. Viele Bravos.

— Christian Pichler, Volksblatt