Sänger: Häuptling Abendwind alias Carriera, Bariton Häuptling Biberhahn alias Vollnhals, Bass Hogu, ein Koch, Tenor Atala, Carrieras Tochter, Sopran Arthur, Vollnhals’ Sohn, Bass Ein Gesangs-Quartett, genannt Chor
Spieldauer: ca. 90 Minuten Franz Hummel: "Nachdem ich 18 Opern komponiert habe, die letzte davon, "Joseph Fouché", eröffnete im Januar 2009 die Feierlichkeiten der Kulturhauptstadt “LINZ 09”, möchte ich die gute alte, melodienselige Operette der unwiederbringlichen Donaumonarchie reanimieren. Einen ersten Probeschuss habe ich schon 2002 gewagt mit meinem Musical “LUDWIG II, Sehnsucht nach dem Paradies“, welches gut zwei Jahre lang im eigens dafür erbauten Festspielhaus Füssen 1,5 Millionen Zuschauer begeisterte. Ich habe dabei nicht nach dem seichten Musical-Stil amerikanischer Provenienz geschielt, sondern, ohne dies an die große Glocke zu hängen, eine veritable Operette geschrieben. Das war auch der Grund für den außergewöhnlichen Publikumserfolg.Hier wollen wir nun bewusst wieder anknüpfen und zunächst die von uns so genannte “Salon-Operette” aus der Taufe heben. Das Libretto hat Sandra Hummel nach Johann Nestroy verfasst. Sein Schwank “Häuptling Abendwind”könnte gut und gerne mit dem Wissen um die heutige, weltweit wirksame Finanzkrise und die kriminellen Gepflogenheiten der Banken und ihrer Drahtzieher geschrieben worden sein. Daher haben wir die handelnden Figuren, Aborigines, Menschenfresser, Schlitzohren und Betrüger in zeitgemäße Funktionen eingebunden und siehe da, wir erkennen sie alle als authentische und kein bisschen anachronistisch wirkende Zeitgenossen wieder. Der Stoff ist, wen wundert’s, so modern wie er nur sein kann! Häuptling Abendwind alias “Carriera” ist seit Jugendtagen in unsaubere Machenschaften mit seinem alten Bekannten “Häuptling Biberzahn” alias Bankier “Vollnhals” verwickelt. Die beiden können gar nicht anders als das Leben ausschließlich im Lichte der persönlichen Bereicherung sehen. In beiden Familien führt der bauernschlaue Koch Hogu (Hautgout) das Regiment, denn an den Suppentöpfen entscheidet sich alle Moral.Die Kinder von Carriera und Vollnhals Atala und Arthur sind, wie könnte es anders sein, wie Romeo und Julia ineinander verknallt.Dass man im Zuge der Rezession auch mal den Hund Fopa (Fauxpas) als Braten in der Soße findet, ist nichts anderes als die Sorge des Kochs um das Wohl seiner Herrschaften, die sich zur Krisensitzung getroffen haben. Das Hundehalsband im Fleischtopf ist Indiz dafür, obwohl es in solch schwierigen Zeiten durchaus auch der plötzlich verschwundene Arthur hätte sein können, den man sich aus Not einverleiben muss. Ungewöhnliche Zeiten erfordern eben ungewöhnliche Maßnahmen und so weiter..... und so weiter........Jedenfalls ist dieses Nestroy-Stück bestens geeignet, die von uns wiederbelebte Gattung Operette mit einem besonderen Exemplar zeitkritischer Satire zu neuem Leben zu erwecken."Franz Hummel, Altmannstein, 10. Januar 2010.
Der 1939 in Altmannstein geborene Franz Hummel gilt als einer der ungewöhnlichsten zeitgenössischen Komponisten Deutschlands. Früh entdeckt und unterstützt, unter anderem von Richard Strauss, studierte er Klavier und Komposition in Salzburg und München und wurde zunächst als Klaviervirtuose bekannt. Im Jahr 1984 wurde seine Oper "KÖNIG UBU" am Theater in Salzburg uraufgeführt. In dieser Produktion wirkte auch Josef Oberauer mit. Seit dieser Zeit verbindet beide eine intensive Zusammenarbeit. Mit Hummels Opern "AN DER SCHÖNEN BLAUEN DONAU" und "GORBATSCHOW" erreichte die Arbeit des THEATERAUFSTAND auch internationale Anerkennung.
Sandra Hummel, geboren 1967 in Dormagen, ist ausgebildete Sängerin, Lyrikerin und Essayistin mit zahlreichen Veröffentlichungen. Seit einigen Jahren verfasst Sie darüber hinaus Opernlibretti und Hörspiele. Sandra Hummel ist die Ehefrau des Komponisten Franz Hummel und häufig für die Textgrundlagen seiner Kompositionen zuständig.
Peter Gillmayr und die "ÖSTERREICHISCHEN SALONISTEN" verbindet eine langjährige Zusammenarbeit in Sachen Musiktheater mit Oberauers TheaterAufstand.
Franz Hummel zum neuen Genre "Salonoperette": "Die Salon-Operette ist eine Art Kammer-Operette, die in kleiner Besetzung, jedoch mit großen Gefühlen und schwärmerischer Musik den alten Glanz der Donau-Monarchie-Operetten in zeitgemäßer Form wiederbelebt. Angesichts der immer seichter werdenden Musicals amerikanischer Provenienz erscheint uns die Rückbesinnung auf diese glanzvolle, heute noch überaus beliebte Ära dringend erforderlich:
- Hinreißende, ausschweifende Melodik statt stereotyper Versatzstück- und Instant-Gesangsfloskeln.
- Harmonische und kontrapunktische Fantasie statt einfältiger Akkordrückungen.
- Geschichten aus dem Fundus der Kultur und des gesellschaftlichen Lebens
- Ein kleines und feines, variables Salonorchester.
Unsere Salonoperette soll also aus einem fast zwei Jahrhunderte lang gepflegten und gewachsenen Genre ein neues, allerdings entschlacktes schaffen, das der Laut-Sprecher-TV-Reklame für die Standard-Musical-Modelle auch leise und nachdenkliche Töne gegenüberstellt und der Event- Comedy echten Humor.
Unsere erste Produktion wird “Häuptling Abendwind” nach Nestroy sein, ein von aberwitziger Metaphorik durchdrungener Schwank über Wilde, Manager, Industrielle, Korruption und Hinterhalt, wie wir es heute in der Boulevard-Presse ständig nachlesen können."
J.N.Nestroys "Häuptling Abendwind" (vollständiger Titel: Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl) ist eine indianische Faschingsburleske in einem Akt. Sie wurde am 1. Februar 1862 am Quai-Theater in Wien mit dem Dichter in der Titelrolle uraufgeführt. Es ist das letzte Stück, das Nestroy für die Bühne geschrieben hat. Der Text basiert auf dem Libretto der am 16. Mai 1857 in Paris uraufgeführten Operette „Vent du soir ou l’horrible festin“ von Philippe Gille und Léon Battu. Jacques Offenbachs Melodien zu dieser Operette behielt Nestroy für seine Couplets und Ensembleszenen bei. Deshalb wird auch Nestroys Burleske hin und wieder als „Operette“ bezeichnet.